
Mit den Aufführungen des Theaterstücks „Die roten Schuhe – Spuren gegen das Vergessen“ hat die Theater-AG Prolögchen des Immanuel-Kant-Gymnasiums am 18./19.06.2026 ein beeindruckendes Zeichen für Erinnerungskultur, Menschlichkeit und Toleranz gesetzt. Rund 160 Zuschauerinnen und Zuschauer strömten trotz heißer Temperaturen zu den Aufführungen in die Aula des IKGP und erlebten eine ebenso berührende wie nachdenklich stimmende Inszenierung.
Das Stück beschäftigt sich mit einem der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte: der Verfolgung und Ermordung von Menschen mit Beeinträchtigungen während der NS-Zeit. Im Mittelpunkt steht das Schicksal eines beeinträchtigten Jungen namens Karl und die Frage nach dem Wert jedes einzelnen Menschen. Der lokalhistorische Bezug der fiktiven Geschichte macht zudem die Entwicklung der Schuhindustrie sowie die Geschichte von Pirmasens in der NS-Zeit deutlich. Die Idee zu diesem Projekt entstand nach dem Besuch der zehnten Klassen in der Gedenkstätte des Pfalzklinikums Klingenmünster. Die dort gewonnenen Eindrücke bewegten die Schülerinnen und Schüler so sehr, dass sie sich gemeinsam mit ihren Lehrkräften entschieden, das Thema auch künstlerisch aufzuarbeiten.
In der Woche der Aufführungen war auch die Wanderausstellung „NS-Psychiatrie in der Pfalz“ in der Aula der Schule für die Schülerinnen und Schüler sowie interessierte Externe zu sehen. Besonders erfreulich war der Besuch der Leiterin der Gedenkstätte Klingenmünster Frau Becker Scharwatz, die bei der Premiere eine Einführung in die Gedenkarbeit am Pfalzklinikum Klingenmünster gegeben hat.
Unter der Leitung von Laura Hallauer, Selina Kalkenbrenner, Lena Spitzer-Weidler und Tobias Weinerth entwickelten die Theater-AGs das Stück selbst. Mit großem Engagement, viel Einfühlungsvermögen und beeindruckender schauspielerischer Leistung gelang es den 38 Mitwirkenden, das Publikum tief zu berühren und zum Nachdenken anzuregen. Musikalisch wurde die Aufführung von der Chorklasse 8b unter der Leitung von Steffi Sieber sowie von Clara Bartz (MSS 12) am Klavier eindrucksvoll begleitet.
Die betreuenden Lehrkräfte sind außerordentlich stolz auf ihre Schülerinnen und Schüler. Über viele Monate hinweg haben sie sich intensiv mit einem anspruchsvollen und sensiblen Thema auseinandergesetzt, historische Hintergründe recherchiert und ihre Erkenntnisse in eine bewegende Inszenierung umgesetzt. Gerade für die vielen Schauspielerinnen und Schauspieler aus der Jahrgangsstufe 5 stellte dies eine sehr große Herausforderung dar, die sie mit Bravour meisterten. Besonders beeindruckend war dabei die Ernsthaftigkeit, mit der die Jugendlichen Verantwortung für die Erinnerungskultur übernommen und sich für die Werte von Menschlichkeit, Respekt und Toleranz eingesetzt haben.
Gerade in einer Zeit, in der Ausgrenzung und Diskriminierung wieder sichtbarer werden, ist es den Lehrkräften der Schule ein großes Anliegen, historische Verantwortung mit aktuellem gesellschaftlichem Handeln zu verbinden. Das Theaterprojekt hat eindrucksvoll gezeigt, wie junge Menschen Geschichte nicht nur lernen, sondern aktiv reflektieren und daraus wichtige Botschaften für die Gegenwart entwickeln können.
Der langanhaltende Applaus am Ende der Aufführungen machte deutlich, wie sehr das Publikum die Leistung der Theater-AG und ihre wichtige Botschaft zu schätzen wusste. Das Immanuel-Kant-Gymnasium ist stolz auf seine engagierten Schülerinnen und Schüler, die mit ihrem Theaterprojekt eindrucksvoll bewiesen haben, wie Schule Erinnerung lebendig halten und demokratische Werte stärken kann.
Laura Hallauer, Selina Kalkenbrenner, Lena Spitzer-Weidler, Tobias Weinerth


